„Du bist ja so eine starke Frau!“

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„Du bist ja so eine starke Frau!“

Dieser und ähnliche Sätze begleiten mich schon viele Jahre durch mein Leben.

Zuerst hieß es: „Du musst groß und stark werden!“. Als ich „groß“ war, hieß es: “ Du musst stark sein!“ – Immer dieses muss… !?

Und heute heißt es eben: “ du bist so ein starke Frau!“

 

Lange Jahre habe ich diesen Satz aus tiefstem Herzen gehasst.

Denn es zählte für alle nur das, was sie sahen. Wie es mir wirklich ging hat niemanden interessiert.

Dieser Schmerz, dieses Alleinsein hat mich dazu gebracht, meine Fähigkeiten zu verleugnen und abzulehnen.

Ich wollte nichts sehnlicher, als mein Bedürfnis nach Nähe, Unterstützung und Trost zeigen, aber ich konnte es nicht. diese „Stärke“ war so tief in mir – bereits ein teil von mir.

 

Was niemand bemerkte, nicht mal ich, war, dass es keine Stärke war, die ich mir da angeeignet hatte, sondern vielmehr Verhaltensweisen, um den Schein zu wahren.

Wie bei einem Theaterstück. Die anderen schreiben das Drehbuch, ich spielte die Hauptrolle und meine „Stärke“ war die Kulisse.

Genau so habe ich mich gefühlt – wie ein Schauspieler in einem schlechten Stück. Nur dieses Stück ist mein Leben! Von anderen in Form gebracht und von mir erfolgreich in Szene gesetzt. Nur dass dieses Stück nicht in meiner Regie entstanden ist.

 

Und als ich das erkannte, konnte ich endlich anfangen mein Stück umzuschreiben.

Ich habe mir die Frage gestellt, was das ist und was das bedeutet „stark“ zu sein. die Antwort war so simpel wie komplex ->für mich etwas ganz anderes als für die anderen.

Für meine Eltern, Lehrer, Kollegen,… bedeutete dieses „stark sein“ Durchhalten, Wegstecken, Funktionieren, niemanden behelligen und ganz besonders keine Schwäche zeigen.

Eine Freundin aus Grundschultagen sagte vor einiger Zeit mal zu mir: „Ich habe dich damals in der Schule sehr bewundert, wie du deine Schicksalsschläge gemeistert hast. Du bist schon damals so eine starke Person gewesen.“ War ich das? Nach außen vielleicht. Innerlich ganz sicher nicht. Gemeistert habe ich meine Schicksalsschläge Jahre später mit Hilfe einer Therapeutin. Doch das wusste ja keiner. Und die die es wussten interessierte es nicht. Ich wurde nur belächelt. Für die anderen war ich stark und tapfer und habe sehr schnell weiterfuntioniert. Damit war deren Welt in Ordnung.

Das Leben ist...

Das Leben ist…

Mittlerweile hat sich mein Bild von mir selbst verändert.

Ich habe erkannt, dass ich tatsächlich eine starke Frau bin. Auf meine Art.

Ich habe und bilde mir eine eigene Meinung, ich treffe eigene Entscheidungen und ich trage meine Verantwortung für mich. Darin liegt für mich meine Stärke.

 

Ich bin schon einige Male gefragt worden, ob ich gern die Zeit meines Lebens zurückdrehen und Dinge anders machen würde, wenn ich es könnte.

Meine Antwort ist nein. Ich treffe meine Entscheidungen mit Bedacht und ich stehe zu den Konsequenzen – so schmerzlich sie auch ab und zu sein mögen. Es gibt keine Entscheidung, die ich je bereut hätte. Ich möchte nicht einen Augenblick meines Lebens missen. Denn jeder einzelne davon macht mich zu dem Menschen, der ich heute bin. Und darauf bin ich stolz!

 

Ich bin zum Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller meines Lebens geworden. Mit allen Konsequenzen.

Denn erst so macht mir mein Leben Spaß!

Ich werde auch künftig Entscheidungen treffen die vielleicht verrückt, vielleicht hoffnungslos, vielleicht zum Scheitern verurteilt sind. Vielleicht – vielleicht auch nicht – zumindest nicht für mich. Jede Erfahrung ist ein kostbares Gut, die mein Leben bereichert – und sei sie auch noch so schmerzlich – es liegt immer auch etwas Gutes darin.

„wer nicht wagt, der nicht gewinnt“

Einen Satz, der für mich wirklich stimmig ist lautet: „No risk, no fun“ – „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Das Leben besteht nicht nur aus Glücksmomenten. Auch traurige und schmerzliche Wege gehören dazu. Doch wenn wir nicht wagen, können wir auch nicht gewinnen.

Es ist mein Leben!

Ich habe meine Entscheidung getroffen – und du?

 

 

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Ein Gedanke zu “„Du bist ja so eine starke Frau!“

  1. Liebe Silvia!
    Einge Passagen, könnten von mir sein. Daher „verstehe“ ich Dich!
    Manche Entscheidungen im vergangenen Leben, dafür könnte ich mich heute noch in den Arsch beissen, aber ok 🙂 Es kommt so lange zu Dir, bis du es kapierst. Daher wirklich voll ok.
    Rein wissenschaftlich ist es so, dass man annahm, 95% werde unterbewusst entschieden. Schon lange, bevor man sich überhaupt dessen bewusst ist. Heute weiss man, dass es zu 99% unbewusste Entscheidungen sind, die wir meinen bewusst zu leben. Daher kann ich für meinen teil nur sagen: Es lebe das EINE PROZENT – NO RISK – NO FUN!
    Alles Liebe, Andrea

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